Die Schwellung Tag für Tag
Wann eine Schwellung nach einem Eingriff im Kiefer zunimmt, wann sie zurückgehen sollte und bei welchen Zeichen Sie den Notdienst oder die 112 brauchen.
Geprüft von Zahnarzt Yiğit BalGeschrieben in der Türkei, von einem Zahnarzt. Klinikle ist ein Klinikverzeichnis und selbst keine Klinik – keine Praxis zahlt für einen Eintrag, und wir behandeln nicht. Wo eine Seite die Türkei der Behandlung in Deutschland gegenüberstellt, lesen Sie sie am besten im Bewusstsein, wo sie geschrieben wurde.
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Am Abend des Eingriffs sieht es meist erträglich aus. Am nächsten Morgen ist die Wange dicker, am Tag darauf noch einmal, und spätestens dann greifen viele zum Telefon. Der Verlauf ist im Regelfall genau so vorgesehen, doch das weiß nur, wer es vorher gehört hat, und in der Aufregung eines Entlassungsgesprächs bleibt dieser Satz selten hängen.
Nützlich ist deshalb weniger eine Momentaufnahme als ein zeitlicher Maßstab. Eine Schwellung, die am zweiten Tag zunimmt, folgt ihrem Muster; dieselbe Schwellung, die am fünften Tag zunimmt, tut es nicht. Der Unterschied zwischen beiden liegt im Kalender und nicht im Spiegel.
Warum der zweite Tag schlechter aussieht als der erste
Eine Schwellung ist keine Komplikation, sondern die Reaktion des Gewebes auf eine Verletzung. Flüssigkeit tritt ins Gewebe aus, und dieser Vorgang läuft nicht sofort ab, sondern über Stunden. Deshalb erreicht die Schwellung ihren Höhepunkt üblicherweise nicht am Eingriffstag, sondern am zweiten oder dritten Tag danach.
Dasselbe gilt für den Schmerz, der einer eigenen Kurve folgt. Er ist am ersten Tag am stärksten, sobald die Betäubung nachlässt, und nimmt danach ab, während die Schwellung noch zunimmt. Ein Schmerz, der auf das verordnete Mittel anspricht, gehört dazu; einer, der es ab dem dritten Tag nicht mehr tut, gehört angesehen.
Wie stark die Schwellung ausfällt, hängt vom Umfang des Eingriffs ab, vom Zugang zum Knochen, von der Dauer und von Ihrem Gewebe selbst. Zwei Menschen mit derselben Operation können sehr verschieden aussehen, ohne dass einer von beiden ein Problem hätte. Entscheidend ist nicht das Ausmaß am dritten Tag, sondern die Richtung danach.
Der Verlauf im Tagesraster
Die folgende Übersicht gilt für chirurgische Eingriffe im Kiefer, also Extraktionen, Implantationen und Knochenaufbauten. Nach dem Beschleifen von Zähnen oder dem Einsetzen von Kronen fällt der Verlauf schwächer aus, das Raster bleibt aber dasselbe.
| Zeitraum | Erwartbar | Passt nicht ins Bild |
|---|---|---|
| Tag 0, Eingriffstag | Leichte Schwellung, Nachsickern von Blut, Taubheit durch die Betäubung | Blutung, die nach 15 bis 20 Minuten festem Aufbiss nicht steht |
| Tag 1 | Deutliche Zunahme, beginnende Kieferklemme, Schmerz auf das verordnete Mittel ansprechend | Atemnot, Schluckbeschwerden, hohes Fieber |
| Tag 2 bis 3 | Höhepunkt der Schwellung, Bluterguss sichtbar, leicht erhöhte Temperatur möglich | Erneut stark zunehmender Schmerz, übler Geruch, Eiter |
| Tag 4 bis 7 | Rückgang, Bluterguss wechselt die Farbe, Mundöffnung wird besser | Schwellung nimmt wieder zu, Fieber setzt neu ein |
| Ab Tag 8 | Weichteile beruhigen sich, Nähte werden entfernt oder lösen sich auf | Wunde weiter offen, freiliegender Knochen, Sekret |
| Woche 3 bis 6 | Alltag ohne Einschränkung, Kontrolltermin | Druckschmerz, Schwellung, die wiederkehrt |
Die kritische Zeile ist die vierte. Ein Verlauf, der bis zum dritten Tag schlimmer wird, ist gewöhnlich; einer, der am fünften wieder anzieht, ist es nicht.
Kühlen, aber richtig
Kühlung wirkt in den ersten ein bis zwei Tagen, danach kaum noch. Sie arbeitet in Intervallen, etwa eine Viertelstunde kühlen und ebenso lange pausieren, weil dauerhafte Kälte die Durchblutung drosselt und der Heilung nichts bringt. Zwischen Eis und Haut gehört immer ein Tuch.
Wärme ist in dieser Phase keine Alternative, sie verstärkt die Schwellung. Ebenso wenig helfen Hausmittel, die im Mund angewendet werden, solange die Wunde frisch ist. Schlafen Sie in den ersten Nächten mit leicht erhöhtem Kopf, und halten Sie sich an die schriftlichen Verhaltensregeln des Behandlungsteams, nicht an die mündliche Erinnerung daran.
In dieselbe Phase gehören ein paar einfache Gewohnheiten. Weiche, lauwarme Kost statt heißer Getränke, kein Alkohol, keine körperliche Anstrengung und kein Rauchen, solange die Wunde frisch ist. Warum gerade der Alkohol auf einer Behandlungsreise schwer zu meiden ist, steht in Alkohol nach der Implantation, im Hotel und auf dem Rückflug. Gespült wird erst, wenn das Behandlungsteam es freigibt, und dann ohne Druck. Die Zähne werden weiter geputzt, nur das Wundgebiet wird zunächst ausgespart, weil Beläge ringsum die Heilung mehr stören als die Berührung mit der Bürste.
Für Eingriffe in der Nähe der Kieferhöhle gelten zusätzliche Regeln zu Naseputzen, Niesen und Druckausgleich. Was das für den Heimweg bedeutet, ist in Rückflug nach einem Eingriff beschrieben.
Bluterguss, Kieferklemme und Temperatur
Drei Begleiter erschrecken regelmäßig, obwohl sie zum Verlauf gehören.
Ein Bluterguss wandert der Schwerkraft folgend nach unten, über die Wange zum Hals, manchmal bis zum Schlüsselbein, und wechselt dabei über Tage die Farbe von blaurot zu grün und gelb. Das ist Abbau und kein neues Ereignis; woran Sie einen verblassenden Fleck von einer wachsenden Schwellung darunter unterscheiden, steht in Bluterguss im Gesicht nach einer Implantation. Eine eingeschränkte Mundöffnung entsteht durch die Schwellung im Bereich der Kaumuskulatur; sie folgt demselben Gipfel wie die Schwellung und bessert sich mit ihr. Und eine leicht erhöhte Temperatur in den ersten ein bis zwei Tagen ist eine übliche Reaktion auf einen Eingriff.
Ein eigener Verlauf gehört zu den Extraktionen. Wenn sich das Blutgerinnsel in der Wunde auflöst und der Knochen freiliegt, entsteht zwischen dem zweiten und vierten Tag ein sehr starker, oft ins Ohr oder in die Schläfe ausstrahlender Schmerz, meist ohne große Schwellung und häufig mit unangenehmem Geschmack. Der Fachbegriff dafür lautet Alveolitis sicca, im Alltag trockene Alveole; mit diesem Wort am Telefon ist die Lage sofort eingeordnet. Das lässt sich in einer Praxis in wenigen Minuten behandeln, und es lohnt sich nicht, damit bis zur nächsten Woche zu warten.
Der Unterschied liegt im Zeitpunkt. Temperatur am ersten Tag ist etwas anderes als Fieber am fünften, und eine Kieferklemme, die sich ab Tag vier wieder verschlechtert, gehört angesehen. Wer zur Hochrisikogruppe für eine Herzinnenhautentzündung zählt, misst in den Wochen nach einem Eingriff ohnehin genauer; warum, und was dann zu tun ist, erklärt Herzklappe und Antibiotikum vor der Behandlung.
Zeichen, die keinen Tag Geduld vertragen
Bei den folgenden Beobachtungen ist die richtige Reaktion nicht, der behandelnden Einrichtung eine Nachricht zu schreiben und auf Antwort zu warten.
- Schluckbeschwerden, Atemnot oder eine Schwellung unter der Zunge und am Mundboden
- Schwellung, die sich zum Auge oder in den Hals ausbreitet oder rasch größer wird
- Fieber über 38,5 Grad, besonders mit Schüttelfrost
- Blutung, die nach 15 bis 20 Minuten festem Aufbeißen auf eine Kompresse nicht steht
- Starker, wieder zunehmender Schmerz ab dem dritten Tag, oft mit üblem Geruch
- Taubheit an Lippe oder Kinn, die nach dem Abklingen der Betäubung bleibt
Bei Atemnot oder Bewusstseinstrübung rufen Sie die 112 und fahren nicht selbst. Schluckbeschwerden, eine Schwellung unter der Zunge oder am Mundboden, eine Schwellung, die zum Auge oder in den Hals zieht oder rasch größer wird, hohes Fieber zusammen mit einer Schwellung und eine Blutung, die nach 15 bis 20 Minuten festem Druck nicht steht, gehören sofort in die Notaufnahme des nächsten Krankenhauses, in Deutschland wie in der Türkei, und nicht in den zahnärztlichen Notdienst. Eine Schwellung, die Atmung oder Schlucken bedrängt, wird nicht beobachtet. Ein bleibendes Taubheitsgefühl ist kein Notfall im selben Sinn, aber ein Befund, bei dem die ersten Tage zählen; der zeitliche Ablauf dazu steht in Taubheit, die nicht verschwindet.
Eine Sonderstellung haben Patienten mit antiresorptiver Medikation und solche nach einer Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich. Dort gilt eine Wunde, die sich nach Wochen nicht schließt, als eigenständiger Befund und nicht als verzögerte Heilung, wie Nach einer Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich ausführt.
Der Notdienst und die Nummer, die Sie vorher heraussuchen
Zahnärztliche Notdienste sind in Deutschland meist über eigene Nummern erreichbar und nicht über dieselbe Stelle wie der ärztliche Bereitschaftsdienst; in einzelnen Bundesländern führt der Weg dorthin allerdings auch über diesen. Organisiert werden sie regional von den Kassenzahnärztlichen Vereinigungen und den Zahnärztekammern, und die Nummern unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. In Österreich führen die Landeszahnärztekammern den Wochenenddienst, in der Schweiz die kantonalen Zahnärztegesellschaften.
Suchen Sie diese Nummer vor der Reise heraus und speichern Sie sie im Telefon, zusammen mit der Adresse der nächstgelegenen Klinik mit Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Am Sonntagabend mit geschwollener Wange zu suchen, kostet genau die Zeit, die dann fehlt.
Rufen Sie parallel die behandelnde Einrichtung an, auch wenn Sie bereits vor Ort versorgt werden. Ein Team, das erst zwei Wochen später erfährt, dass es eine Komplikation gab, kann weder helfen noch später etwas dazu sagen.
Fotografieren, notieren, weitergeben
Fotografieren Sie ab dem ersten Tag einmal täglich Ihr Gesicht von vorn und von der Seite, bei gleichem Licht. Notieren Sie Temperatur, Schmerz und die Einnahmezeiten. Das klingt übertrieben, bis Sie am fünften Tag beurteilen sollen, ob die Schwellung zunimmt oder Ihre Erinnerung Sie täuscht.
Dieselben Aufnahmen sind das brauchbarste Material für eine Fernauskunft und, falls es später zu einer Auseinandersetzung kommt, Teil Ihrer Dokumentation. Welche Unterlagen darüber hinaus zusammengehören und was in den Wochen danach sonst ansteht, ist in Die ersten Wochen nach der Rückkehr zusammengefasst. Wie Sie sich auf einen Notfall während des Aufenthalts vorbereiten, behandelt Notfall während der Behandlungsreise.
Diese Seite enthält allgemeine Informationen und keine medizinische Beratung. Ergebnisse fallen individuell unterschiedlich aus; ob eine Behandlung für Sie geeignet ist, lässt sich erst nach persönlicher Untersuchung und Röntgenaufnahmen durch eine zahnärztliche Fachperson beurteilen.
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